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Mediaplanung kleines Budget: So bauen Sie einen Plan aus echten Mediadaten
Mediaplanung mit kleinem Budget: IVW-Auflagen, Post-Preise ab 2026 und ZAW-Marktzahlen belegbar nutzen, TKP selbst rechnen und Streuverluste vermeiden.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Ein Mediaplan steht auf drei belegbaren Datenquellen: IVW-geprüfte Auflagen, veröffentlichte Zustellpreise der Deutschen Post und die Marktzahlen des ZAW.
- Jede Zahl im Plan bekommt eine Quellenzeile mit Abrufdatum. Was keine Quelle hat, fliegt aus dem Plan.
- Zustellkosten und Mediakosten werden getrennt geführt. Sonst übersehen Sie Zuschläge und die Gewichtsstaffel.
Warum die Marktzahlen den Rahmen setzen
Wer mit kleinem Budget plant, braucht zuerst einen Maßstab. Sonst wirkt jeder Tausender groß oder klein, ohne Vergleich. Das Marktvolumen hilft bei der Einordnung, nicht bei der Titelauswahl.
Die Werbewirtschaft kam 2025 nach Angaben des ZAW auf ein Marktvolumen von rund 50,9 Milliarden Euro. Das war ein Plus von 2,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die medienbasierten Investitionen stiegen um 3,5 Prozent auf 39,37 Milliarden Euro. Die Netto-Werbeeinnahmen der erfassten Medien lagen bei 27,88 Milliarden Euro, ein Plus von 4,3 Prozent. Diese Zahlen beschreiben den Gesamtmarkt, nicht Ihre Zielgruppe.
Wichtiger für die Planung ist die Gattungsverteilung. Laut einer ZAW-Angabe auf der IVW-Seite entfallen rund ein Viertel der Nettowerbeausgaben auf Printmedien. Die IVW zitiert diese Zahl in ihrer Beschreibung des Pressemarktes, sie stammt also aus dem ZAW. Der Bezug auf welches Marktvolumen genau ist aus dem Text nicht ableitbar. Für einen kleinen Plan reicht die Größenordnung: Print ist kein Randthema, sondern ein Viertel des Werbekuchens.
Was folgt daraus praktisch? Sie prüfen zuerst, ob Print in Ihrer Zielgruppe überhaupt gelesen wird. Erst danach rechnen Sie den Plan. Marktzahlen ersetzen keine Zielgruppenprüfung. Diese Unterscheidung sollte man sich bewusst machen. Sonst plant man nach Gefühl.
Auflagen nur aus IVW-geprüften Zahlen ansetzen
Verlagsbroschüren nennen gern die gedruckte Auflage und schweigen über Remission. Ein belastbarer Plan braucht andere Quellen. Die IVW erfasst und prüft die quartalsweise gemeldeten Auflagen ihrer Mitgliedsverlage. Das gilt für gedruckte Ausgaben ebenso wie für digitale Publikationen. Die über alle Distributionswege erzielten Auflagen einer Marke werden transparent im Dashboard der IVW-Gesamtzahl ausgewiesen. Print, ePaper und Paid Content erscheinen dort getrennt.
Ein zweites Werkzeug ist die heftbezogene Meldung. Seit 1996 veröffentlicht die IVW heftbezogene Auflagenzahlen und liefert dem Werbemarkt wöchentlich zertifizierte Zahlen zu einzelnen Ausgaben. Wenn Sie also eine einzelne Ausgabe belegen, können Sie deren Auflage nachsehen, statt einen Jahresdurchschnitt zu schätzen.
Für Tageszeitungen kommt die Verbreitungsanalyse hinzu. Sie zeigt die verkaufte Auflage, aufgeschlüsselt nach Kreisen, kreisfreien Städten und Gemeinden. Die Datei ist kostenpflichtig und wird im Zwei-Jahres-Rhythmus erstellt. Wer in einer Region mit einem Titel wirbt, sieht so, wie viel Auflage tatsächlich in seinem Gebiet liegt.
Achtung bei der Auswertung: Die IVW unterscheidet verkaufte und verbreitete Auflage. Ein Titel mit hoher Druckauflage kann eine deutlich kleinere verkaufte Auflage haben. Für Mediaplanung zählt zuerst die verbreitete Auflage, weil sie den Kontaktrahmen bestimmt. Die Zahl ist ein Rahmenwert. Zustellbezirke sind keine Leseradressen. Wer es genauer braucht, muss die Verbreitungsanalyse nutzen.
Datenquellen-Tabelle: belegt statt behauptet
| Kennzahl im Plan | Zulässige Quelle | Ampel |
|---|---|---|
| Auflage eines Titels | IVW-Quartalsauflage oder heftbezogene Auflage | belegt, wenn Datum notiert |
| Verteilung im Gebiet | IVW-Verbreitungsanalyse, verkaufte Auflage nach Kreisen | belegt, Datei kostenpflichtig |
| Zustellpreis | Preisliste POSTAKTUELL, netto zzgl. USt. | belegt mit Stand 1. Januar 2026 |
| TKP | eigene Rechnung aus Auflage und Preis | nachgerechnet |
| Reichweite | Verlagsangabe ohne Zertifizierung | behauptet, nicht belastbar |
| Budgetanteil je Gattung | Faustregel ohne Quelle | streichen oder durch ZAW-Zahl ersetzen |
Diese Tabelle ist ein Arbeitsmittel dieses Artikels, kein Standard der Branche. Sie dient dazu, jede Zeile des Plans zu prüfen. Wenn eine Zeile keine Quelle hat, kommt sie nicht in die Kalkulation.
Kontaktkosten und TKP selbst nachrechnen
Der Tausenderkontaktpreis (TKP) ist die entscheidende Vergleichszahl. Berechnen Sie ihn aus Auflage und Preis selbst. Die Formel lautet: Preis geteilt durch Auflage mal 1.000. Das Ergebnis ist der Preis für 1.000 Kontakte im belegten Medium.
Ein Rechenbeispiel, ausdrücklich als Annahme: Eine Anzeige kostet 1.200 Euro, der belegte Titel hat eine verbreitete Auflage von 40.000 Exemplaren. Dann ergibt sich 1.200 / 40.000 × 1.000 = 30 Euro TKP. Steigt die Auflage laut IVW auf 50.000, fällt der TKP auf 24 Euro. Der einzige geänderte Wert ist die Auflage. Alle anderen Werte sind gesetzt.
Diesen TKP vergleichen Sie mit anderen Titeln. Wichtig ist die gleiche Basis. Rechnen Sie Print-TKP nicht gegen TKP aus Online-Werbung, ohne die Erhebungsmethode zu prüfen. Die Größen sind nicht vergleichbar. Print-TKP basiert auf verbreiteter Auflage, nicht auf gemessenen Kontakten. Ein Kontaktmodell mit Weitergabefaktor würde einen niedrigeren TKP ergeben. Ohne belastbare Leserschaftsdaten bleibt die Auflage die ehrlichere Basis.
Wer keine Verbreitungsdaten kaufen will, rechnet mit der Quartalsauflage. Das ist konservativ. Die Verbreitungsanalyse lohnt sich, wenn Sie fünf oder mehr Titel im gleichen Gebiet vergleichen.
Ein Zustellpreis ist kein TKP
Bei Print-Mailings fällt neben dem Druck eine Zustellung an. Der Zustellpreis wird pro 1.000 Sendungen abgerechnet. Er hängt an Gewicht, Gebiet und Versandoption.
Das preisgünstige Format ist die Postkarte A6. Das Online-Tool der Deutschen Post bietet eine klare Preisübersicht für jede Zielgruppe, basierend auf dem Format Postkarte A6. Es zeigt Kosten und Empfängerzahlen auf einen Blick. Für jede Zielgruppe erhalten Sie eine Preisindikation samt geschätzter Sendungsmenge je Versandoption. Das ist eine Planungsgrundlage, noch keine Rechnung. Verbindlich wird der Preis erst mit der Buchung.
Zustellkosten aus der Preisliste kalkulieren
Für unadressierte Verteilung gibt es veröffentlichte Preise. Sie sind seit dem 1. Januar 2026 gültig und netto, zuzüglich Umsatzsteuer. Das ist wichtig, weil viele Budgets brutto gerechnet werden.
POSTAKTUELL an alle Haushalte kostet in der Gewichtsstufe bis 20 Gramm 129 Euro je 1.000 Sendungen im Kerngebiet. Im Randgebiet sind es 170 Euro. Die günstigere Variante an Haushalte mit Tagespost liegt in derselben Gewichtsstufe bei 76 Euro im Kerngebiet und 100 Euro im Randgebiet. Das sind die niedrigsten Stufen einer Staffel, die in 24 Grammschritten bis 241 Gramm reicht.
Ein zweiter Punkt betrifft das Gewicht. Bruchteile beim Gewicht sind auf ganze Gramm aufzurunden. Ein Prospekt mit 20,3 Gramm rutscht damit in die Stufe ab 21 Gramm und kostet 156 Euro im Kerngebiet statt 129 Euro. Bei einer Auflage von 50.000 Sendungen sind das 1.350 Euro mehr. Prüfen Sie das Gewicht vor der Druckfreigabe, nicht danach.
Die Staffelung nach Gewicht erklärt, warum ein dünner Flyer günstiger ist als ein Katalog. Die veröffentlichte Tabelle endet bei 241 Gramm. Für Gewichte von 251 bis 1.000 Gramm gilt ein Preis auf Anfrage, also ein individuell kalkulierter Wert. Das ist ein Planungsrisiko: Schwere Formate sind kalkulatorisch unsicher, weil Sie vorher keine veröffentlichte Zahl haben. Ein ausdrückliches Höchstgewicht je Sendung nennt die Preisliste nicht.
Bezugsgröße und Abrechnung beachten
Die Preise gelten je 1.000 Sendungen. Ein Planungsirrtum entsteht, wenn man den Preis pro Sendung mit dem Preis je 1.000 verwechselt. Teilen Sie den Preis also immer durch 1.000, um den Wert pro Sendung zu erhalten. Bei 129 Euro je 1.000 Sendungen sind das 12,9 Cent pro Sendung im Kerngebiet. Dann multiplizieren Sie mit der Sendungsmenge.
Alle Preisangaben beziehen sich auf den Stand 1. Januar 2026. Die Deutsche Post hat eine Preisanpassung für DIALOGPOST zum 1. Januar 2027 angekündigt. Ein Plan für das kommende Jahr sollte diese Ankündigung als Unsicherheit vermerken, nicht als konkrete Zahl. Die Höhe ist aus den Quellen nicht bekannt. Rechnen Sie mit einer Reserve.
Zuschläge und Frankierung als echte Preisfaktoren
Die Gewichtsstufe ist nur ein Teil des Preises. Auf den Grundpreis der jeweiligen Gewichtsstufe kommen Zuschläge. Zwei Zuschläge sind in der Preisliste ausgewiesen.
Die Zustellbezirksselektion kostet 10 Euro je 1.000 Sendungen zusätzlich zum Preis der jeweiligen Gewichtsstufe. Wer nur in Teilgebieten verteilen möchte, zahlt diesen Aufschlag. Er ist pro Sendung gerechnet 1 Cent.
Der Saisonzuschlag gilt vom 1. September bis 31. Dezember und beträgt 5 Euro je 1.000 Sendungen, ebenfalls zusätzlich zum Preis der Gewichtsstufe. Er trifft damit jedes Herbstgeschäft. Die Zuschläge werden nicht rabattiert. Ein Plan für das Weihnachtsgeschäft sollte beide Zuschläge addieren, bevor der Deckungsbeitrag geprüft wird.
Es gibt außerdem eine Änderung bei den Freimachungsarten. Seit dem 1. Januar 2026 gelten Frankierungen ohne Matrixcode, etwa der verkürzte Frankiervermerk oder die Frankierwelle, nicht mehr als reguläre Freimachungsarten für DIALOGPOST. Wer sie trotzdem verwenden möchte, wählt im Online-Service die Option mit zusätzlichem Aufwand. Das kann den Preis verändern. Klären Sie das mit dem Geschäftskundenservice, bevor Sie kalkulieren.
Interessant für kleine Auflagen: Die Deutsche Post bietet Palettenabholung und weitere Leistungen an. Im Inland gilt für weniger als 5 Tonnen Gesamtsendungsnettogewicht ein vorab individuell kalkulierter Preis auf Basis von Menge, Abholort und Entfernung. Ab 5 Tonnen kostet die Abholung 7,50 Euro je Palette. Eine Abholung ist in jedem Fall kostenpflichtig. Wer selbst einliefert, spart diese Kosten, hat aber Personalaufwand.
Ein kurzer Hinweis zum Kleingedruckten: Stornierungen sind ebenfalls bepreist. Eine kurzfristige Stornierung je Abholung kostet 40 Euro bis 5 Straßenkilometer, 80 Euro bis 25, 120 Euro bis 50, danach 10 Euro je weitere angefangene 10 Straßenkilometer. Das ist kein Kernposten für die Planung, gehört aber in das Risikokapitel.
Eine Budgetschwelle als Entscheidungswerkzeug
Statt eine Zielsendungsmenge vorzugeben, leiten Sie die Menge aus Ihrem Budget ab. Dann sehen Sie sofort, ob der Plan aufgeht. Dafür brauchen Sie vier Eingaben: Budget netto, Gebiet, Gewicht und Saisonfenster. Hinzu kommt als Bedingung der Mindestauftragswert von 300 Euro pro Auftrag: Liegt der Auftrag darunter, zahlen Sie die Differenz bis 300 Euro auf.
Das folgende Rechenbeispiel ist eine eigene Vereinfachung, keine Preisempfehlung. Angenommen, Sie haben 5.000 Euro netto für die Zustellung und verteilen im ganzen Kerngebiet mit POSTAKTUELL an alle Haushalte bis 20 Gramm.
Rechnen Sie zuerst die Zuschläge. Die Zustellbezirksselektion fällt weg, weil Sie im ganzen Gebiet verteilen. Der Saisonzuschlag fällt an, wenn Sie zwischen September und Dezember verteilen. Bei 129 Euro plus 5 Euro ergibt das 134 Euro je 1.000 Sendungen.
Der Mindestauftragswert von 300 Euro pro Auftrag ist damit deutlich überschritten, eine Aufzahlung fällt nicht an.
Teilen Sie nun das Budget durch den Preis je 1.000 Sendungen und multiplizieren mit 1.000. Bei 5.000 Euro geteilt durch 134 Euro ergibt das rund 37.313 Sendungen. Runden Sie auf 37.000 ab. So sehen Sie vor dem ersten Verlagsgespräch, ob Ihre Reichweite realistisch ist.
Prüfen Sie dasselbe Budget mit der günstigeren Tagespost. Bei 76 Euro plus 5 Euro Saisonzuschlag ergibt das 81 Euro je 1.000 Sendungen. Das Budget von 5.000 Euro geteilt durch 81 Euro sind rund 61.728 Sendungen. Die Reichweite ist also deutlich höher, wenn die Sendung im Verbund mit der Tagespost zugestellt wird. Der Trade-off: Sie erhalten weniger Aufmerksamkeit, weil die Sendung nicht exklusiv im Briefkasten liegt.
Das Annahmenprotokoll
Jede Planungsziffer braucht eine Zeile im Protokoll: Wert, Quelle, Abrufdatum, Annahme. Bei den genannten Zahlen steht als Quelle das veröffentlichte PDF der Deutschen Post, Stand 1. Januar 2026. Beim Budget steht Ihre eigene Zahl ohne externe Quelle. Beim Saisonfenster steht Ihre Annahme über den Schaltzeitraum. Beim Gewicht steht das gemessene oder geschätzte Gewicht.
Die Restreserve ist die wichtigste Annahme. Rechnen Sie mit einem Puffer für Gewichtsüberschreitung, Preisanpassung und unerwartete Zuschläge. Üblich ist eine Reserve zwischen 5 und 10 Prozent des Budgets. Das ist eine Praxisempfehlung, kein ausgewiesener Wert. Tragen Sie die Zahl ein und nennen Sie sie Reserve.
Legen Sie außerdem eine Entscheidungsschwelle fest. Das ist eine Bedingung, bei der der Plan angepasst wird, kein automatischer Auslöser. Beispiel: Wenn der TKP eines Titels über dem Durchschnitt der Alternativen liegt, wird der Titel gestrichen. Beispiel: Wenn die zugesagte Auflage unter der IVW-Zahl liegt, wird der Auftrag nicht erteilt.
Planung braucht keine weiteren Werkzeuge. Sie braucht drei Quellen mit Datum, eine Rechnung, ein Protokoll und eine Reserve.
Häufige Fragen
Welche Auflage darf ich als Planungszahl ansetzen? Die Quartalsauflage der IVW oder die heftbezogene Auflage. Beide sind geprüft. Die Verbreitungsanalyse nach Kreisen und Gemeinden ist präziser für die regionale Planung, aber kostenpflichtig. Verlagsangaben ohne Zertifizierung sind keine Planungsgrundlage.
Was kostet die Zustellung für 1.000 Sendungen? POSTAKTUELL an alle Haushalte bis 20 Gramm kostet 129 Euro im Kerngebiet und 170 Euro im Randgebiet, netto zuzüglich Umsatzsteuer, Stand 1. Januar 2026. Die Variante mit Tagespost liegt bei 76 Euro beziehungsweise 100 Euro. Dazu können Zuschläge für Selektion und Saison kommen.
Was passiert mit einem zu schweren Prospekt? Bruchteile beim Gewicht werden auf ganze Gramm aufgerundet. Aus 20,3 Gramm werden 21 Gramm, und der Preis steigt in die nächste Gewichtsstufe. Prüfen Sie das Gewicht vor der Druckfreigabe. Die veröffentlichte Staffel endet bei 241 Gramm, für Gewichte von 251 bis 1.000 Gramm gilt ein Preis auf Anfrage.
In diesem Leitfaden
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